Anders Vesterby: «Ich bin Vater und schwul»
Zuerst möchte er klarstellen: «Es gibt nicht DEN Schwulen. So wie es auch nicht DEN Heterosexuellen gibt.»
Dies sei nur seine Geschichte. Die Geschichte des Anders Vesterby. Er ist 57 Jahre alt, hat zwei erwachsene
Kinder. Und er ist schwul.
Anders Vesterby
Aufgewachsen ist Vesterby in Dänemark. Schon als Sechsjähriger liess er sich nicht in eine Rolle drängen,
nähte, spielte Fussball und mit Puppen. «Ich hätte früher darauf kommen sollen», reflektiert er heute.
Aber
über Homosexualität wurde nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. «Ich wollte ja nicht negativ auffallen
und zog es deshalb gar nicht in Erwägung.»
Positive Bilder über Homosexualität fehlen heute wie damals. Das Wort "schwul" ist in vielen Köpfen verknüpft
mit Kinderschändern, Jugendverführung, Promiskuität. Gegen solche Vorurteile möchte Vesterby kämpfen.
«Es heisst, dass wir es selber gewählt hätten. Aber niemand sucht sich das aus. Es ist eine Frage des Erkennens,
des Zeitpunkts, zu dem man sich das Schwulsein eingesteht.»
Zwei Wunschkinder
Anders Vesterby wurde 40 Jahre alt bis er soweit war. Mitte zwanzig kam er mit seiner Verlobten in die
Schweiz. Sie heirateten, bekamen zwei Wunschkinder. Doch immer wieder spürte er Männern gegenüber
eine gewisse Anziehungskraft. Er habe sich gewehrt - und sei trotzdem manchmal schwach geworden.
«Ein schlechtes Gewissen hatte ich, aber es bestand nie die Gefahr, die Seite zu wechseln. Ich liebte meine
Familie.»
Verliebt in einen Mann
Kurz vor dem 40. Geburtstag dann völlig neue Gefühle: "Ich verliebte mich zum ersten Mal in einen Mann.
Eine Katastrophe!" Seine Frau merkte etwas, fragte ihn, ob er auf Männer stehe. Er leugnete, doch dann
flog alles auf. "Meine Frau brach zusammen, sie war sehr verletzt. Ich sagte ihr, dass es nichts an meinen
Gefühlen für sie ändere." Der Wunsch vieler schwuler Väter: Weitermachen wie bisher. Weil die Familie
und die Homosexualität doch zwei verschiedene Dinge seien.
Auch Anders Vesterby und seine Frau versuchten zusammen zu bleiben, doch es gelang nicht. «Wir
weinten über diese Situation.» Schliesslich zog seine Frau mit den Kindern zurück nach Dänemark.
Keine Zärtlichkeiten
Die Kinder waren elf und 13 Jahre alt, als sich die Eltern trennten. Erst später wurden sie über den
wahren Grund aufgeklärt. Sie hätten verständnisvoll reagiert, nur die Tochter mit ein wenig Mühe.
«Einmal bat sie mich, dass ich vor ihr keine Zärtlichkeiten mit meinem neuen Partner austausche.
Ich hatte ihn auf den Mund geküsst...» Heute haben er und die Kinder ein offenes, liebevolles Verhältnis.
Der Wohnberater hat sein Leben gezwungenermassen neu gestaltet. Mit seinem jetzigen Lebenspartner,
der selber auch Kinder hat, ist er seit sechs Jahren liiert. Heute steht Vesterby dazu, dass er mehrheitlich
schwul, aber auch bisexuell empfindet. Dass ihm die Sensibilität einer Frau fehlt. Vor allem aber fehlt
Vesterby seine Familie.
Regula Wenger
Für schwule Väter existiert in Basel eine Selbsthilfegruppe, die sich regelmässig trifft.
Frauen können sich, wenn «die andere ein Mann ist», ab sofort an das Selbsthilfezentrum
Hetera wenden. Zurzeit wird eine Selbsthilfegruppe gegründet.
Aus dem Baslerstab vom 20.08.01
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Schwule Väter Basel
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